Es gibt Bereiche in einer Klinik, die Patientinnen und Patienten gut kennen – den Empfang, die Ordinationen oder die Räume für Blutabnahmen. Dann gibt es das IVF-Labor. Ein Ort, den Patientinnen und Patienten normalerweise nicht betreten, obwohl dort die wichtigsten Momente auf dem Weg zum eigenen Kind stattfinden.
Wenn Sie mehr über den Ablauf einer IVF-Behandlung erfahren möchten, lesen Sie mehr auf unserer Website.
Die Arbeit von Embryologinnen und Embryologen ist technisch äußerst anspruchsvoll. Sie arbeiten unter dem Mikroskop mit einer Nadel, die dünner ist als ein menschliches Haar, und führen Bewegungen im Mikrometerbereich aus. Gleichzeitig ist ihre Arbeit sehr menschlich und emotional fordernd. Eine Embryologin oder ein Embryologe ist der erste Mensch, der Ihr Embryo sieht und gleichzeitig die Geschichte kennt, die dahintersteht.
Wie sieht also ihr Arbeitsalltag aus? Was passiert mit Eizellen, Spermien und Embryonen hinter den Türen des Labors? Werfen wir gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen.
Wer ist eine Embryologin oder ein Embryologe?
Embryologinnen und Embryologen arbeiten im Labor mit Eizellen, Spermien und Embryonen. Sie sorgen dafür, dass während des gesamten Prozesses optimale und möglichst stabile Bedingungen gewährleistet sind. Sie überwachen die Entwicklung der Embryonen, bereiten die Befruchtung mittels IVF oder ICSI vor, kontrollieren die Embryokultur und sind an der Vorbereitung des Embryotransfers, der Kryokonservierung sowie genetischer Untersuchungen beteiligt.
Was passiert morgens im IVF-Labor?
Der Tag beginnt mit einer Kontrolle. Manche Geräte werden morgens eingeschaltet, andere laufen rund um die Uhr – dazu gehören beispielsweise die Inkubatoren.
In ihnen befinden sich die Embryonen sowie die Kulturmedien. Diese müssen bereits mehrere Stunden vor der Verwendung vorbereitet und mit den entsprechenden Gasen gesättigt werden, bevor Eizellen, Spermien oder Embryonen darin kultiviert werden.
Die Inkubatoren schaffen eine stabile Umgebung, die den Bedingungen im Körper der Mutter möglichst nahekommt. Temperatur, Gaszusammensetzung, Luftfeuchtigkeit und jeder einzelne Arbeitsschritt müssen dabei ständig überwacht werden.

Hier Bild H mit Beschreibung einfügen: Kammerinkubator im IVF-Labor, der eine stabile Umgebung für Embryonen gewährleistet. Quelle: GYNCARE
Was passiert, wenn ein Inkubator über Nacht ausfällt?
Die Inkubatoren werden rund um die Uhr überwacht und für jede mögliche Situation bestehen festgelegte Sicherheitsprotokolle. Bei einem Stromausfall übernimmt sofort die Notstromversorgung. Auch im Falle eines technischen Problems müssen die Embryonen jederzeit unter stabilen Bedingungen aufbewahrt werden.
Wie sieht ein Tag während der Eizellentnahme aus?
Morgens – Kontrolle der Embryonen in Kultur
Die Embryonen, die sich bereits seit den Vortagen im Labor befinden, werden regelmäßig kontrolliert. Die Embryologin oder der Embryologe beobachtet ihre Zellteilung, beurteilt, ob sich die Entwicklung wie erwartet verläuft, und entscheidet, welche Embryonen für den nächsten Schritt bereit sind. Haben sie am fünften oder sechsten Entwicklungstag das Blastozystenstadium erreicht, kann die Kryokonservierung, eine Biopsie oder der Embryotransfer vorbereitet werden. Wie das am besten geeignete Embryo für den Transfer ausgewählt wird, erfahren Sie in einem eigenen Artikel.

Hier Bild B mit Beschreibung einfügen: Embryologinnen und Embryologen verfolgen die Entwicklung der Embryonen in einem Time-Lapse-Inkubator. Diese Technologie dokumentiert jeden einzelnen Entwicklungsschritt, ohne dass das Embryo unnötig aus der kontrollierten Umgebung entnommen werden muss.
Quelle: GYNCARE
Eine Blastozyste ist ein Embryo in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium, in der Regel am fünften oder sechsten Tag nach der Befruchtung. In diesem Stadium kann das embryologische Team beurteilen, ob das Embryo für einen Transfer, die Kryokonservierung oder weitere empfohlene Maßnahmen geeignet ist. Die Entscheidung hängt immer von der Entwicklung des Embryos sowie von der individuellen Situation der Patientin oder des Paares ab.
Was passiert nach der Entnahme von Eizellen und Spermien?
Die Eizellentnahme wird entsprechend der hormonellen Stimulation der Patientin geplant. Nach der Entnahme gelangt die Follikelflüssigkeit direkt ins Labor, wo die Embryologin oder der Embryologe die Eizellen entnimmt und für die weiteren Schritte vorbereitet.
Gleichzeitig wird im andrologischen Bereich des Labors die Spermaprobe aufbereitet. Die Beurteilung der Spermienqualität ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik bei GYNCARE. Zunächst wird die Probe verflüssigt. Dieser Vorgang dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Anschließend wird die Qualität beurteilt und es werden die Spermien ausgewählt, die für die Befruchtung geeignet sind.
Der Moment der Befruchtung: Kein Raum für Fehler
Die eigentliche Befruchtung erfolgt einige Stunden nach der Eizellentnahme. Bei der ICSI-Methode wählt die Embryologin oder der Embryologe eine einzelne Samenzelle aus und bringt sie mithilfe einer Mikromanipulationstechnik direkt in die Eizelle ein. Dies ist einer der präzisesten Schritte im gesamten IVF-Prozess.
Wie präzise? Ein Embryo hat einen Durchmesser von etwa 0,1 mm und ist mit bloßem Auge kaum sichtbar. Die Nadel, die bei der ICSI verwendet wird, ist dünner als ein menschliches Haar. Der gesamte Vorgang findet unter dem Mikroskop statt und lässt keinen Raum für Fehler.
Für erfahrene Embryologinnen und Embryologen gehört dies zur täglichen Routine – allerdings im besten Sinne des Wortes: Jeder Handgriff wird regelmäßig trainiert, kontrolliert und mit höchster Präzision durchgeführt.
ICSI, die intrazytoplasmatische Spermieninjektion, ist eine Labormethode im Rahmen der IVF. Dabei wählt die Embryologin oder der Embryologe eine geeignete Samenzelle aus und bringt sie mithilfe einer mikromanipulatorischen Nadel direkt in die Eizelle ein. Diese Methode wird vor allem dann eingesetzt, wenn die Befruchtung durch ein besonders präzises labormedizinisches Verfahren unterstützt werden soll. Mehr über die Methoden ICSI und PICSI erfahren Sie in einem eigenen Artikel.
Hier Bild F mit Beschreibung einfügen: Befruchtung einer Eizelle mittels ICSI unter dem Mikroskop im Labor.
Quelle: GYNCARE
Was geschieht nach der Befruchtung? Embryotransfer, Kryokonservierung oder Embryobiopsie?
Sobald die Eizellentnahmen abgeschlossen sind, ist der Arbeitstag im Labor noch lange nicht vorbei. Am Nachmittag folgen Embryotransfers, Kryokonservierungen, Biopsien sowie die Vorbereitung für den nächsten Tag. Die Kulturmedien müssen bereits mehrere Stunden im Voraus mit den entsprechenden Gasen gesättigt werden, die Inkubatoren vorbereitet und die Dokumentation abgeschlossen sein. Das Labor arbeitet wie eine Kette, bei der jedes Glied auf das nächste abgestimmt ist.
Einen Überblick über alle Labormethoden, einschließlich ICSI, Embryobiopsie und Kryokonservierung, finden Sie auf unserer Seite zu den Labormethoden.
Benötigt ein Embryo eine Kontrolle, eine Kryokonservierung oder einen weiteren Behandlungsschritt, richtet sich das Labor nach seinem biologischen Entwicklungsverlauf und nicht nach dem Wochentag.
Dank moderner Technologien können bestimmte Prozesse auch aus der Ferne überwacht werden. So lässt sich die Entwicklung der Embryonen im Time-Lapse-System verfolgen und die weitere Planung entsprechend anpassen. Die eigentlichen medizinischen Arbeitsschritte erfordern jedoch nach wie vor die physische Anwesenheit und die Erfahrung der Embryologinnen und Embryologen.
Was geschieht anschließend mit den Embryonen?
Ist ein Embryo für den Transfer geeignet, wird er für das Einsetzen in die Gebärmutter vorbereitet. Wie ein Embryotransfer Schritt für Schritt abläuft, erklären wir in einem eigenen Artikel.
Erfolgt der Transfer nicht sofort, kann das Embryo kryokonserviert werden. Die Kryokonservierung von Embryonen ist heute ein fester Bestandteil der IVF-Behandlung und ermöglicht es, ein Embryo in einem späteren Zyklus zu verwenden, ohne die gesamte Eizellentnahme erneut durchführen zu müssen. Nach demselben Prinzip funktioniert auch das Einfrieren von Eizellen beim Social Freezing, bei dem Eizellen für eine spätere Verwendung aufbewahrt werden.
In manchen Fällen wird vor der Kryokonservierung oder dem Transfer eine Embryobiopsie für eine genetische Untersuchung durchgeführt. Dabei werden mehrere Zellen aus jenem Teil des Embryos entnommen, aus dem sich später die Plazenta entwickelt. Anschließend wird das Embryo kryokonserviert, bis das Ergebnis der genetischen Untersuchung vorliegt.
Transfer, Kryokonservierung oder genetische Untersuchung erfolgen niemals automatisch. Die Entscheidung hängt vom Alter der Patientin, der Qualität der Embryonen, den bisherigen Behandlungsergebnissen, der Krankengeschichte sowie von der Empfehlung des Teams ab. Jeder einzelne Schritt hat seinen Grund.
Hier Bild I mit Beschreibung einfügen: Kryobank zur langfristigen Aufbewahrung von Embryonen, Eizellen und Spermien in flüssigem Stickstoff.
Quelle: GYNCARE
Wer gehört zum Team des IVF-Labors?
Das IVF-Labor ist keine Arbeit, die eine einzelne Person allein am Mikroskop erledigt. Die Embryologinnen und Embryologen arbeiten als Team zusammen und verteilen jeden Morgen ihre Aufgaben entsprechend den geplanten Behandlungen des Tages.
Zum Behandlungsteam gehören jedoch weit mehr Personen als nur die Embryologinnen und Embryologen. Ebenso wichtig sind die Ärztinnen und Ärzte, die die hormonelle Stimulation begleiten und die Eizellentnahmen durchführen, das Pflegepersonal, die Mitarbeitenden des andrologischen Labors, die Koordinatorinnen sowie das Team, das für Dokumentation und Kommunikation verantwortlich ist.
Wussten Sie schon?
Warum sind Parfum oder lackierte Fingernägel im IVF-Labor nicht erlaubt? Embryonen, Eizellen und Spermien reagieren äußerst empfindlich auf ihre Umgebung. Parfums, Haarsprays und einige andere chemische Stoffe enthalten flüchtige Bestandteile, die die Stabilität der Laborumgebung beeinträchtigen und das biologische Material schädigen könnten.
Der schwierigste Teil der Arbeit einer Embryologin oder eines Embryologen ist nicht immer die Technik
Die technische Seite der Arbeit erfordert höchste Präzision. Nach vielen Jahren der Erfahrung wird sie jedoch zur Routine. Schwieriger ist etwas anderes.
Eine Embryologin oder ein Embryologe ist der erste Mensch, der das Embryo eines Paares sieht und gleichzeitig die Geschichte kennt, die dahintersteht.
Manchmal handelt es sich um ein Paar, dass sich bereits seit Jahren ein Kind wünscht. Manchmal um eine Frau, die nach einer Krebsdiagnose ihre Eizellen vor Beginn der Behandlung einfrieren lässt. Und manchmal um Patientinnen und Patienten, die nur ein einziges Embryo haben und all ihre Hoffnung in dieses setzen.
In solchen Momenten ist das Labor weit mehr als nur ein technischer Arbeitsplatz. Es ist ein Ort großer Verantwortung.
Ich erinnere mich an ein Paar mit einem sehr ausgeprägten männlichen Faktor der Unfruchtbarkeit, dass keine Samenspende in Anspruch nehmen wollte. Die Prognose war nicht einfach. Die Spermienqualität war sehr schlecht, die Entwicklung der Embryonen schwierig und die Erfolgsaussichten ungewiss. Am Ende entstanden zwei Embryonen. Eines davon war genetisch geeignet und die Patientin wurde schwanger. – RNDr. Katarína Jedličková, Leiterin des embryologischen Labors in Bratislava
Eine Patientin hatte zwar eine hohe Anzahl an Eizellen, viele davon wiesen jedoch morphologische Auffälligkeiten auf. Trotzdem entwickelte sich eine Blastozyste. Ein frischer Embryotransfer. Und später ein gesundes Kind. – Bc. Monika Pokorádi, Andrologische Laborantin
Es wäre nicht fair zu behaupten, dass diese Geschichten ein Versprechen dafür sind, dass jede Behandlung erfolgreich endet. Sie zeigen jedoch, warum diese Arbeit selbst dann einen tiefen Sinn hat, wenn der Weg nicht einfach ist.
Wenn Sie am Anfang Ihres Weges stehen oder über eine IVF-Behandlung nachdenken, begrüßen wir Sie gerne zu einer Beratung bei GYNCARE.
Embryologinnen und Embryologen arbeiten im IVF-Labor mit Eizellen, Spermien und Embryonen. Sie überwachen die Befruchtung und die Entwicklung der Embryonen, bereiten sie für den Embryotransfer, die Kryokonservierung oder genetische Untersuchungen vor und arbeiten eng mit dem medizinischen Team zusammen, um die weiteren Behandlungsschritte festzulegen.
Die Befruchtung wird in der Regel einige Stunden nach der Eizellentnahme durchgeführt. Der genaue Ablauf hängt von der Reife der Eizellen, der Qualität der Spermien sowie von der empfohlenen Methode der Befruchtung ab.
ICSI ist eine Methode der künstlichen Befruchtung im Rahmen einer IVF-Behandlung. Dabei bringt die Embryologin oder der Embryologe mithilfe einer Mikromanipulationstechnik eine ausgewählte Samenzelle direkt in die Eizelle ein.
Eine Blastozyste ist ein Embryo in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium, meist am fünften oder sechsten Tag nach der Befruchtung. In diesem Stadium wird entschieden, ob das Embryo für einen Transfer, die Kryokonservierung oder einen weiteren empfohlenen Behandlungsschritt geeignet ist.
Der Inkubator sorgt für eine stabile Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Gaszusammensetzung. Ziel ist es, Eizellen, Spermien und Embryonen vor Veränderungen der Umgebung zu schützen und möglichst optimale Entwicklungsbedingungen zu schaffen.





