Genetik
Familienplanung und Fruchtbarkeitsstörungen
Genetische Untersuchungen vor der Schwangerschaft werden entweder durchgeführt, um das Risiko der Übertragung einer genetischen Erkrankung auf die Nachkommen zu beurteilen oder um die Ursache der Unfruchtbarkeit zu ermitteln. Der erste Schritt ist eine Konsultation mit unseren Spezialisten, zögern Sie also nicht, einen Termin für eine Beratung zu vereinbaren.
Für wen sind die Untersuchungen bestimmt?
Eine genetische Untersuchung vor der Schwangerschaft – präkonzeptionelle Genetik – wird Paaren oder Einzelpersonen empfohlen bei:
- Auftreten einer genetischen Erkrankung in der Familie
- Angeborener Entwicklungsfehler beim Patienten oder einem Verwandten
- Blutsverwandtschaft
Die Suche nach genetischen Ursachen der Unfruchtbarkeit wird Paaren oder Einzelpersonen empfohlen bei:
- Bei lang anhaltender Unfruchtbarkeit ohne bekannte Ursache
- Bei wiederholten spontanen Fehlgeburten
- Bei wiederholt erfolgloser IVF-Behandlung
- Bei schwerwiegenderer Spermiogramm-Pathologie
- Bei reduzierter ovarieller Reserve
Auch bei Bestätigung einer genetischen Erkrankung oder einer genetischen Ursache der Unfruchtbarkeit besteht die Chance, ein gesundes Baby zu bekommen, dank PGT – Präimplantationsdiagnostik der Embryonen.
Ablauf der genetischen Beratung
Bei einer genetischen Beratung bewerten wir Ihre persönliche und familiäre Anamnese sorgfältig. Wir gehen individuell auf jeden Patienten ein – basierend auf der Beratung empfehlen wir geeignete genetische Untersuchungen. Ein Teil unserer Betreuung ist auch die langfristige Überwachung der Patienten (sog. Dispensarisierung), wodurch wir eine umfassende und fachkundige Gesundheitsversorgung nicht nur für sie, sondern auch für ihre Angehörigen gewährleisten können. Wenn Sie eine bereits gestellte Diagnose oder ein Verfahren konsultieren oder überprüfen lassen möchten, bieten wir auch die Möglichkeit einer Zweitmeinung in Form einer Konsultation an – die sogenannte Second Opinion.
Karyotyp-Untersuchung
Dabei handelt es sich um eine grundlegende genetische Untersuchung, bei der mittels Blutentnahme die Anzahl und Struktur der Chromosomen untersucht wird. Sie zielt darauf ab, Veränderungen aufzudecken, die Ursache für Unfruchtbarkeit oder wiederholte Fehlgeburten sein können.
Ein gesunder Mensch hat 46 Chromosomen, die in 23 Paaren angeordnet sind, wobei immer ein Chromosom jedes Paares von der Mutter und eines vom Vater stammt. Wenn die Chromosomenzahl abweicht, sprechen wir von Aneuploidie. Es gibt Aneuploidien der Geschlechtschromosomen, die mit Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht werden können, wie z. B. das Klinefelter-Syndrom bei Männern (ein überzähliges X-Geschlechtschromosom) oder das Turner-Syndrom bei Frauen (ein X-Geschlechtschromosom fehlt).
Darüber hinaus kann es auch zu Störungen der Chromosomenstruktur kommen, wie zum Beispiel:
- Deletionen – ein Teil der genetischen Information auf dem Chromosom fehlt
- Duplikationen – Verdopplung eines Teils der genetischen Information
- Inversionen – Umkehrung eines Teils der genetischen Information
- Translokationen – Verlagerung eines Teils der genetischen Information an eine andere Stelle
Alle diese Störungen der genetischen Information bezeichnen wir als Aberrationen. Strukturelle Aberrationen unterscheiden wir in sogenannte balancierte und unbalancierte Aberrationen.
Balancierte Aberrationen
Diese Art von Störungen verursacht dem Träger meist keine Probleme, kann aber die Fruchtbarkeit beeinflussen. Der Mensch hat die richtige Menge an genetischem Material, aber ein Teil der DNA ist an eine andere Stelle verschoben. Am häufigsten treten auf:
- Reziproke Translokation – Austausch von Teilen zwischen zwei verschiedenen Chromosomen
- Robertson-Translokation – Verschmelzung zweier Chromosomen zu einem
In solchen Fällen erscheint der Träger gesund, hat aber ein höheres Risiko für Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten oder die Geburt eines behinderten Kindes, da seine Keimzellen unbalancierte Kombinationen tragen können.
Unbalancierte Aberrationen
In diesem Fall fehlt ein Teil des genetischen Materials oder ist zusätzlich vorhanden. Dies kann zu angeborenen Fehlbildungen, geistiger Behinderung, Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten führen.
Wenn wir bei einem der Partner durch die Karyotyp-Untersuchung eine Chromosomenaberration feststellen, können pränatale Diagnostik, Methoden der assistierten Reproduktion (IVF) und die Präimplantationsdiagnostik der Embryonen (PGT) empfohlen werden.
Genetische Panel-Untersuchungen für Einzelpersonen und Paare
Diese Untersuchungen zielen darauf ab, genetische Faktoren aufzudecken, die die Fruchtbarkeit, den Erfolg der assistierten Reproduktionsbehandlung und die Gesundheit zukünftiger Kinder beeinflussen können. Sie helfen, das Trägertum schwerwiegender Erbkrankheiten, mit Unfruchtbarkeit verbundene Störungen bei Frauen und Männern sowie genetische Prädispositionen zu identifizieren, die die Reaktion auf eine hormonelle Stimulation beeinflussen können.
Diese Untersuchung ist hauptsächlich für Paare gedacht, die sich einer Unfruchtbarkeitsbehandlung unterziehen, kann aber auch von Einzelpersonen durchgeführt werden. Sie konzentriert sich auf die Erkennung genetischer Erkrankungen, die vererbt werden können, wenn beide Elternteile Träger sind (Mukoviszidose, spinale Muskelatrophie, Taubheit, Phenylketonurie), oder die über das X-Chromosom übertragen werden – insbesondere von der Mutter auf den Sohn (Fragiles-X-Syndrom).
Darüber hinaus analysiert sie auch Gene, die Aufschluss darüber geben könnten, warum ein Paar nicht schwanger wird (PLK4, ANXA5, AR, Mikrodeletionen auf dem Y-Chromosom). Ein Mehrwert des Tests ist auch die Bestimmung der individuellen Reaktion der Patientin auf die hormonelle Stimulation, was eine Optimierung der Behandlung während des IVF-Zyklus und eine Minimierung des Risikos eines ovariellen Hyperstimulationssyndroms ermöglicht.
Ziel dieser Untersuchungsreihe ist es, das Risiko der Geburt eines Kindes mit einer der 110 klinisch relevanten rezessiven monogenen Erkrankungen zu verringern. In der mitteleuropäischen Bevölkerung werden etwa 1-2 % der Kinder mit einer monogenen Erkrankung geboren. Dieser Test reduziert dieses Risiko um das bis zu 10-fache. Bei Bestätigung eines erhöhten Risikos wird die Präimplantationsdiagnostik der Embryonen für monogene Erkrankungen (PGT-M) empfohlen. Die Untersuchung kann von Paaren und Einzelpersonen durchgeführt werden.
Die Untersuchung ist sowohl für Paare als auch für Einzelpersonen geeignet, die mögliche Ursachen für Unfruchtbarkeit und Faktoren, die die Chancen auf eine Schwangerschaft beeinflussen, ermitteln möchten, und zwar auch bei Anwendung assistierter Reproduktionstechniken. Dieses Untersuchungspanel testet 50 Gene, die mit weiblicher Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen, und 70 Gene, die mit männlicher Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen. Die Untersuchung kann frühere erfolglose Schwangerschaftsversuche oder IVF-Misserfolge erklären. Gleichzeitig kann sie bei der Auswahl geeigneter Methoden im Rahmen der Unfruchtbarkeitsbehandlung helfen.
Dies ist das umfassendste Untersuchungspanel, das aus einer Kombination genetischer Untersuchungen aus den Panels OPTIMAL und INFERTILITY besteht.
Präimplantationsdiagnostik der Embryonen (PGT)
Diese Art von Untersuchungen ermöglicht es uns, Embryonen genetisch zu untersuchen, noch bevor sie in die Gebärmutter der zukünftigen Mutter eingesetzt werden. Dadurch können wir die Übertragung schwerwiegender genetischer Erkrankungen und das Einsetzen von Embryonen mit genetischen Anomalien verhindern, die den Behandlungserfolg oder die Entwicklung der Schwangerschaft beeinträchtigen könnten.
Wir unterteilen die PGT-Untersuchungen in:
- PGT-A: konzentriert sich auf Veränderungen der Chromosomenzahl – Aneuploidien
- PGT-SR: konzentriert sich auf Störungen der Chromosomenstruktur
- PGT-M: konzentriert sich auf erbliche – monogene Erkrankungen
Die Erfolgsrate von Embryotransfers genetisch untersuchter Embryonen ist wesentlich höher als bei ununtersuchten Embryonen. Es ist jedoch zu beachten, dass es sich um eine Untersuchungsmethode und nicht um eine Behandlung handelt. Sie ermöglicht es, die Erfolgsrate des Embryotransfers zu erhöhen, nicht aber des IVF-Zyklus als solchen. Das Paar vermeidet dadurch unnötige Transfers, was insbesondere bei langjähriger erfolgloser Behandlung einen erheblichen psychologischen Effekt hat.
Der eigentlichen Untersuchung geht die sogenannte Embryobiopsie voraus, ein fachmännischer, schonender Eingriff, bei dem dem mittels IVF-Methoden erzeugten Embryo einige Zellen entnommen werden. Diese werden anschließend zur genetischen Analyse geschickt. Die Biopsie wird in der Regel nach fünf Tagen Embryokultivierung im Inkubator durchgeführt, wenn sich der Embryo im Blastozystenstadium befindet und aus etwa 100 Zellen besteht. Dabei werden sogenannte nicht-essentielle Zellen entnommen – also Zellen, die für die Entwicklung des Embryos selbst nicht wichtig sind. Sie stammen aus dem Teil, der als Trophoblast bezeichnet wird, aus dem sich nicht der Fötus, sondern die Fruchthüllen wie die Plazenta entwickeln. Auch hier werden sie jedoch nicht fehlen, da sie in späteren Stadien durch die verbleibenden Zellen durch deren Teilung ersetzt werden. Es handelt sich um ein standardisiertes, bewährtes Verfahren, das die Fähigkeit des Embryos, sich einzunisten und weiterzuentwickeln, nicht gefährdet.
Während des Wartens auf das Ergebnis werden die Embryonen in flüssigem Stickstoff eingefroren, genau wie bei der üblichen Kryokonservierung. Für die genetische Untersuchung von Embryonen werden derzeit modernste Laborverfahren eingesetzt.
Die Präimplantationsdiagnostik auf Aneuploidien ist eine genetische Untersuchung, deren Aufgabe es ist, zu überprüfen, ob der Embryo die richtige Anzahl von Chromosomen (46) hat. In Fällen, in denen in der Chromosomenausstattung des Embryos ein Chromosom fehlt oder umgekehrt, ein Chromosom zusätzlich vorhanden ist, sprechen wir von sogenannten Aneuploidien. Bei so entstandenen Embryonen kommt es in den meisten Fällen zu einem spontanen Abort, in den übrigen Fällen kommt es zur Geburt eines Kindes mit einer genetischen Erkrankung (z. B. Down-Syndrom).
PGT-A Plus
Erweiterte Präimplantationsdiagnostik, die die Untersuchung von Aneuploidien, Mosaizismus und strukturellen Aberrationen ermöglicht. Darüber hinaus kann sie bestimmen, ob die Aneuploidie vom Vater oder von der Mutter stammt. Ein Bestandteil der Untersuchung ist auch die Untersuchung einer Blutprobe der Mutter.
Etwa einer von 200 Menschen ist Träger sogenannter balancierter Chromosomenveränderungen. Obwohl Träger solcher Veränderungen (z. B. Translokationen oder Inversionen) in der Regel gesund sind, haben sie ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Embryonen mit genetischen Störungen, die zu spontanen Fehlgeburten oder zur Empfängnis eines Fötus mit einer schwerwiegenden genetischen Erkrankung führen. Die Präimplantationsdiagnostik struktureller Veränderungen ist eine Untersuchung, die solche genetischen Veränderungen von Embryonen diagnostiziert. Dadurch ist es möglich, für die Implantation einen Embryo auszuwählen, bei dem die höchste Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft und der Geburt eines gesunden Kindes besteht.
Für Personen, bei denen insbesondere aufgrund der Familienanamnese ein erhöhtes Risiko für die Übertragung einer monogenen Erkrankung besteht, bieten wir die Präimplantationsdiagnostik für monogene Erkrankungen an. Dabei handelt es sich um erbliche genetische Erkrankungen, deren Ursache eine Störung eines einzelnen Gens ist (z. B. Mukoviszidose, Muskeldystrophie und viele andere). Diese Untersuchung konzentriert sich auf spezifische Krankheiten, die im Rahmen der persönlichen oder familiären Anamnese bekannt sind. Es werden konkrete Gene getestet und darin bekannte Veränderungen gesucht. Dadurch ist es möglich, zu bestimmen, welche der Embryonen die genetische Erkrankung nicht übertragen. Für den Transfer werden anschließend nur diese ausgewählten Embryonen verwendet.
Vor der eigentlichen Embryonenuntersuchung muss zunächst die genetische Erkrankung, auf die sich die Untersuchung konzentrieren soll, genau bestimmt werden. Dies geschieht durch die Entnahme einer Blutprobe des Elternteils oder gegebenenfalls eines anderen Verwandten, der Träger der Erkrankung ist. Je nach Art der genetischen Veränderung und dem konkreten Fall kann eine der PGT-M-Methoden angewendet werden: Karyomapping oder OneGene PGT. Falls keine Referenzblutprobe gewonnen werden kann, ist eine direkte Mutationsdetektion möglich.
Weitere genetische Laboruntersuchungen
Mukoviszidose ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die mehrere Organe, insbesondere das Atem- und Verdauungssystem, betrifft und auch zu Fruchtbarkeitsproblemen führen kann. Es ist eine der häufigsten genetischen Erkrankungen in unserer Bevölkerung und wird autosomal-rezessiv vererbt. Damit die Krankheit auftritt, muss eine Person eine mutierte Genversion von beiden Elternteilen erben – wenn sie nur eine mutierte Version hat, manifestiert sich die Krankheit normalerweise nicht, aber die Person ist Träger.
In der Slowakei ist die häufigste Mutation F508del im CFTR-Gen, die nicht nur durch eine Standarduntersuchung, sondern auch durch einen nicht-invasiven pränatalen Test aus dem Blut der Schwangeren nachgewiesen werden kann. Neben der Untersuchung dieser Mutation bieten wir auch eine detailliertere Analyse des CFTR-Gens an, die 64 der häufigsten Mutationen feststellt.
Die Untersuchung des CFTR-Gens wird auch Männern mit schwerwiegenden Spermiogramm-Störungen (wie Azoospermie oder schwerer Oligospermie) empfohlen. Wenn beide Partner Träger einer pathogenen Mutation sind, kann das Risiko für Mukoviszidose beim Nachwuchs bis zu 25 % betragen. Neben der pränatalen Diagnostik kann im Rahmen der IVF auch die Präimplantationsdiagnostik (PGT-M) eingesetzt werden.
Dieser Gentest deckt eine angeborene Prädisposition für eine erhöhte Blutgerinnung auf, bekannt als Thrombophilie. Am häufigsten werden Mutationen in den Genen für die Gerinnungsfaktoren V (Leiden) und II (Prothrombin) untersucht. Das Wissen um diese genetische Anfälligkeit kann nicht nur während der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch wichtig sein, sondern auch bei Operationen, längerer Immobilisierung oder der Einnahme hormoneller Kontrazeptiva.
Thrombophilie kann die Einnistung des Embryos in der Gebärmutter verringern und ist auch mit wiederholten Fehlgeburten verbunden – Blutgerinnsel können den Blutfluss in der Plazenta stören und die Entwicklung des Fötus gefährden.
Diese Untersuchung bestimmt die Anzahl der Wiederholungen des Triplets „CGG“ im FMR1-Gen, das sich auf dem X-Chromosom befindet. Im Normalzustand hat eine Person weniger als 45 Wiederholungen. Die klinischen Folgen hängen von der Anzahl der Wiederholungen ab – wenn 55 bis 200 Wiederholungen festgestellt werden, sprechen wir von einer sogenannten Prämutation, die unter anderem das Risiko eines vorzeitigen Ovarialversagens bei Frauen oder einer neurodegenerativen Erkrankung bei Männern erhöht. Überschreitet die Anzahl der Wiederholungen 200, entsteht das Fragile-X-Syndrom, das mit geistiger Retardierung und anderen neurologischen Entwicklungsstörungen verbunden ist.
AZF (Azoospermie-Faktor) ist ein spezifischer Bereich auf dem Y-Chromosom, der eine Schlüsselrolle im Prozess der Spermienbildung spielt. Wenn in diesem Bereich ein bestimmter Teil des genetischen Materials fehlt – eine sogenannte Deletion – kann dies die Ursache für schwerwiegende Fruchtbarkeitsstörungen bei Männern sein. Solche Deletionen gehören zu den häufigsten genetischen Ursachen von Azoospermie (vollständiges Fehlen von Spermien im Ejakulat) oder schwerer Oligospermie (stark reduzierte Spermienzahl).
Wir unterscheiden drei Haupttypen von AZF-Deletionen:
- AZFa und AZFb – verursachen in der Regel eine vollständige Azoospermie, wobei die Chance, Spermien bei einer chirurgischen Entnahme (MESA/TESE) zu finden, sehr gering ist.
- AZFc – ist am häufigsten und kann mit dem Vorhandensein einer geringen Anzahl von Spermien verbunden sein, die oft durch chirurgische Entnahme (z. B. mittels TESE – testikuläre Spermienextraktion) gewonnen werden können.
Die Untersuchung von AZF-Deletionen wird insbesondere Männern mit Oligospermie oder Azoospermie empfohlen. Die Untersuchungsergebnisse helfen bei der Planung des weiteren Vorgehens bei der Unfruchtbarkeitsbehandlung und bei der Entscheidung über die Möglichkeiten der assistierten Reproduktion.
Das Follikel-stimulierende Hormon (FSH) ist ein wichtiges Hormon, das das Wachstum und die Reifung der Eierstockfollikel bei Frauen und die Spermienproduktion bei Männern steuert. Es vermittelt seine Wirkung im Körper über den FSH-Rezeptor.
Bei manchen Menschen können jedoch sogenannte Polymorphismen – genetische Varianten – in den Genen auftreten, die die β-Untereinheit von FSH (FSHB) und den FSH-Rezeptor (FSHR) kodieren. Diese Varianten können die Wirkung des FSH-Hormons negativ beeinflussen, was sich in einer verminderten Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen äußern kann.
Die Identifizierung dieser genetischen Varianten hilft, die individuelle hormonelle Reaktion besser zu verstehen, und kann bei der Anpassung der Behandlung mit Gonadotropinen, beispielsweise im Rahmen der hormonellen Stimulation bei IVF, nützlich sein.
Einige genetische Varianten im ANXA5-Gen (Annexin A5) können das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen erhöhen, wie wiederholte Fehlgeburten, Präeklampsie, Blutgerinnselbildung (Thromboembolie) oder Wachstumsverzögerung des Fötus.
Die Untersuchung wird insbesondere Paaren vor einer IVF empfohlen, da das Ergebnis die Einstellung einer geeigneten Versorgung beeinflussen kann. Bei Vorhandensein von Risikovarianten kann das Komplikationsrisiko durch eine geeignete prophylaktische Behandlung reduziert werden.
Diese Untersuchung ist ein wertvolles diagnostisches Instrument, insbesondere bei wiederholten Fehlgeburten. Genetische Anomalien des Embryos gehören zu den häufigsten Ursachen für spontane Fehlgeburten. Die Analyse einer Probe des fehlgeborenen Fötus kann uns helfen, die Ursache des Schwangerschaftsverlustes zu klären und das weitere Vorgehen bestimmen – zum Beispiel genetische Untersuchungen bei beiden Partnern oder die Anpassung der Strategie bei der Planung einer weiteren Schwangerschaft.



